Ich komme auch aus BW, kenne also das System der Viertelnoten als Schüler und Lehrer und bin damit zufrieden, bin auch überwiegend in der Primarstufe tätig, finde aber doch manches hier im Thread seltsam:
Im Grundschulbereich bewegen sich die Noten für den Großteil der Schülerschaft im Bereich von 1-3, ab und zu gibt's auch eine 4.
Klar, wenn ich effektiv nur die Hälfte des Notenspektrums nutze, dass dann die differenzierte Abbildung des Leistungsstandes anhand der Ziffernnoten schwierig ist. Warum nutzt du nicht zunächst einmal das komplette Notenspektrum? Oder sind deine SuS tatsächlich alle so gut?
Es geht aber gerade im Grundschulbereich nicht vorrangig um die Erteilung gerichtsfester Zeugnisnoten, sondern um die diagnostische Funktion!
Du scheinst unter Diagnostik etwas anderes zu verstehen als ich. Eine Ziffernnote an sich ist eine Leistungsbeurteilung, keine Diagnostik, egal mit wie vielen Zwischenstufen sie gebildet wird.
Weiter oben hast du den Hintergrund von Noten meines Erachtens passender beschrieben:
Noten sollen Leistungsvergleiche ermöglichen, sollen motivieren, sollen der individuellen Leistungserziehung dienen.
Entsprechend:
Die hat wenig Wert, wenn die Diagnose in meinem privaten Notenbüchlein vermerkt ist, denn sie soll ja auch als Rückmeldung für Kind und Eltern dienen.
Wenn du den Eltern und/oder Kindern tatsächlich eine Diagnose im engeren Sinne mitteilen willst, dann würde ich dafür das persönliche Gespräch empfehlen.
Eine differenzierte Leistungsbeurteilung, was du vermutlich meinst, kann auch über schriftliche Rückmeldungen oder Beurteilungsraster o. ä. erfolgen, aber anhand einer Note sehen Eltern oder SuS nicht, was und wie sinnvoll zu üben wäre.
Der Drittklässler setzt am Satzanfang ein "wir" statt einem "Wir" ein und erhält daher nur einen halben Punkt.
Aber die Bepunktung ist doch deine Sache!?
Wenn du einen halben Punkt für die Großschreibung gibst (bzw. bei Kleinschreibung abziehst), dann scheint dir das entsprechend wichtig zu sein, und dann rechtfertigt es auch den Einfluss auf die Note. Sonst könntest du dem Schüler ja den ganzen Punkt geben ... ?
Ich habe etwas das Gefühl, dass in der Sekundarstufe der Bedeutung einzelner Noten evtl. von Kindern ein anderer Stellenwert beigemessen wird als in der Grundschule. Nochmal auch an Valerianus, es geht überhaupt nicht um die Ermittlung der abschließende Zeugnisnote, sondern um eine angemessene Beurteilung einzelner Leistungsnachweise.
Aber gerade dann muss man doch in der Primarstufe auch mit den SuS (und ggf. Eltern) ins Gespräch kommen über die Relevanz der Noten einzelner Tests oder Lernzielkontrollen ...
Und ich bezweifle, dass man mit und ohne Zwischennoten zu unterschiedlichen Zeugnisnoten käme. Oder vielmehr wäre es ja ein tatsächlicher Fehler im System, wenn es so wäre.