Das Problem ist nicht, eine Form zu haben, die alle Geschlechter einschliesst, sondern die Tatsache, dass die Form mehrdeutig ist und im Auge des Betrachters zu oft mit männlich assoziiert wird.
Deshalb halte ich es für sinnvoll eine neu Form einzführen, die alle einschliesst, niemanden ausschliesst und die eindeutig ist. Eben das entgendern nach Phettberg. Es wundert mich, dass das nicht viel populärer ist, als die vielen : und I Formen.
Wenn niemand darauf gepocht hätte, dass das Wort Bundeskanzler Frau Merkel nicht einschließt, würden die meisten unserer Schüler jetzt bei dem Wort zunächst an eine Frau denken, weil der Posten ihr Ganzes Leben bis zur letzten Wahl mit einer besetzt war. Aber statt aus dem Wort ein neutrales zu machen, hat man sich das Wort Bundeskanzlerin ausgedacht. Damit kann ein Bundeskanzler weiterhin nur ein Mann sein, obwohl die Wähler vorher bereits anders unterschieden hatten. Chance vertan.
Und wenn die erste diverse Person gewählt wird, muss man wieder ein neues Wort erfinden.
Ich habe nichts dagegen, wenn gegendert wird, aber ich selbst vergesse es schon alleine deswegen, weil ich bei der generischen Form üblicherweise nicht nur an Männer denke.
Allerdings bin ich bei Sissymaus, wenn es darum geht, eine einzelne Person anzusprechen. Glückwunsch zum Ingeneur auf einer Urkunde für eine Frau ist unpassend. Ebenso aber auch das Frau Vorname Nachname der Kindergeldkassen, wenn das Kindergeld an den Vater ausgezahlt wird.
Gestern bin ich übrigens aus dem Nichts gefragt worden: “Warum heißt es eigentlich der Mann und die Frau, aber der Diverse?“ (Zitat von einem Kind, 10 Jahre)
Ich habe im Duden online nachgesehen, divers gibt es in der Bedeutung dort nur als Adjektiv.
Das Kind kennt es vermutlich von Plakaten wie Verkäufer gesucht (m/w/d) und ihm wäre „das“ passender vorgekommen, weil divers ja gerade nicht männlich und nicht weiblich ist/ sein möchte.
Aber sächlich für Personen passt ja auch nicht. Da brauchen wir dann wohl auch noch ein viertes Pronomen für die dritte Person singular.