Beiträge von Quittengelee

    Nein, ich hatte vor 9 Jahren oder auch vor 5 Jahren Arbeiten, in denen am Ende wahrhaftig eine kritische Selbstreflexion stand.

    Wer hatte denen beigebracht, wie man kritisch selbstreflektiert? Ich kann mir nicht vorstellen, dass innerhalb von 5 Jahren die SuS dazu plötzlich nicht mehr in der Lage wären.


    Also zur Ausgangsfrage: da du bislang nie in dieses Die-Jugend-von-heute-ist-so-schlecht-Horn getutet hast, vermute ich weniger Alterszynismus als einen Deutschlehrkraftwechsel...

    Ich hab jetzt schon gerade auf Flugmodus gestellt, weil ich keine Lust hab, dass gleich 10 000 Nachrichten und Anrufe von denen reinflattern, wie ich mir das vorstelle.


    Meine Mentoren reagieren auch nicht mehr wirklich, aber naja, vielleicht ist es auch das Zeichen von "alles okay soweit", ich schreib ihnen immer wenn was Neues geschickt hab.

    Was denn nun, schreiben sie dich übermäßig viel an oder antworten sie nicht?


    Danke euch, ich arbeite jetzt einfach so weit es geht den Unterricht vor, bis Montag ist alles geschickt und ich versuche jetzt morgen bzw am Wochenende dann den Rest noch so weit vorzubereiten.

    Die meisten hier haben geschrieben, dass du vor allem kommunizieren solltest. Niemand schrieb, dass du dich verrückt machen sollst.

    Ich hatte drei Wochen vor einem UB nicht den Hauch einer Idee, oft erst 2 oder 3 Tage vorher. Auch die UPP stand erst mit 3 Tagen Vorlauf und der Entwurf war am Prüfungsmorgen um halb 6 fertig.

    Wir mussten den Plan, was in der Stunde grob drankommt, Monate vorher einreichen, damit eine Stunde ausgewählt werden kann und den Prüfungsentwurf 3 Tage vorher dreifach kopiert abgeben.


    Das ist sicher in jedem Bundesland etwas anders. Ich finde es aber erst mal nicht außergewöhnlich, dass Mentoren fragen, wie der Plan bis zur Prüfung aussieht, wenn diese denn trotz Erkrankung angetreten werden soll. Ob das so herzlos ablief, wie mancher sich das auszumalen scheint, sei mal dahingestellt.

    Wenn ich da Mentorin wäre, hätte ich die Vorbereitung selbst übernommen. Finde das arg überzogen, innerhalb eines Tages bis nächste Woche alles fertig hinzuschicken, besonders, wenn man Anfänger/in ist. Warum werden Referendare oft so schikaniert?

    Warum denkst du, dass die TE schikaniert wird? Was ich hier lese, ist Chaos, unklare Aussagen, Und Vorbeireden am Problem. Den UB (nach Wiederholung) hat die TE. Ich hab schon eine Ahnung, warum sich die Mentor*innen schützen und abgrenzen.

    Ihr scheint ein massives Kommunikationsproblem zu haben. Statt dich diffus darüber zu beklagen, dass "Männer" sich nicht beteiligen, solltest du mit deinem Mann sprechen. Daraus brauchst du kein gesamtgesellschaftliches Problem konstruieren. Die Aufgabenverteilung mündiger Erwachsener, können diese Erwachsenen nur miteinander klären. Mit jemandem, der so ganz andere Vorstellungen von der Aufgsbenverteilung in der Familie hat, darf man sich dann eben nicht fortpflanzen.

    Das ist einfach falsch und je öfter es hier steht, desto häufiger wird das Problem dahinter konsolidiert. Es sind auch nicht alle Menschen mit dunkler Hautfarbe selbst an Ungleichheit und Diskriminierung Schuld, obwohl es mal einen US-Präsidenten mit dunkler Hautfarbe gab. Die von dir angesprochene Kollegin ist eben nicht alleine mit dem Problem, sondern es betrifft tausende Familien. Von "steuerpolitischen Fehlanreizen" über mangelnde Kitaplätze bis hin zum Rollenbild, was "männlich" ist, zählen dort viele Faktoren rein. Guck mal, was während des Lockdown los war, wer sich im "Homeoffice" um ddie Kinder gekümmert hat. Mancher scheint hier auch zu vergessen, dass nicht alle Deutschen unkündbare Lehrkräfte mit eigenem Häusle sind.


    Und um auf den TE zurückzukommen, dessen Problem hier in soundsoviel Beiträgen ignoriert wurde, ihn betrifft das offenbar genauso. Denn unter anderem schreibt er, dass er Angst habe, dass seine Partnerin von ihm erwarte, den Lebensstandard zu halten und volle Leistung im Beruf zu bringen. Natürlich muss am Ende er das mit seiner Frau verhackstücken, aber er ist damit bei Weitem nicht alleine. Viele, viele andere Väter sind in Betrieben beschäftigt, in denen an ihrer Männlichkeit gezweifelt wird, wenn sie länger als 3 Wochen Elternzeit nehmen und Karriere kann man bei Teilzeit auch knicken. Männer gehen (statistisch gesehen) immer noch viel seltener in Teilzeit und wenn, dann eher, um eine Weiterbildung zu machen und ihre Karriere voranzutreiben. Es liegt nicht nur an der einzelnen angesprochenen Person, sondern ist ein multifaktorielles Problem, das man benennen können muss und soll, um es zu ändern. Auch, wenn die Debatte hier nur dazu dient, dass der TE sich guten Gewissens fragen darf, ob er nicht einfach Teilzeit genießen darf, so "als Mann".

    Ich habe jetzt Folgendes verstanden: du bist kurz vor der Prüfung und krank geworden. (Das ist ärgerlich, aber nicht zu ändern.) Du versuchst, es deinen Mentoren Recht zu machen und versprichst Sachen, die du jetzt doch nicht einhalten kannst. (Blöd, aber halt passiert.) Ich würde jetzt versuchen, so viel Klarheit wie möglich reinzubringen. Rufe an, melde dich krank, reiche den Schein ein, gib die Vorbereitung zumindest für Freitag ab, dass es nicht so aussieht, als ob du dich nicht vorbereiten würdest und sage ansonsten klar, dass du in der Krankschreibung nicht vorbereiten kannst, da die Schmerzen schlimmer sind als befürchtet.


    Was ich vermeiden würde: Jammern. Entweder, du willst/kannst im Sitzen unterrichten, dann nimm ein Taxi und mach das. Oder du kannst nicht, dann bedarf es auch keiner anklagenden Fragen, à la "wie soll ich denn dieses und jenes Problem lösen, das geht ja gar nicht!" Also hier kannst du natürlich schreiben, was du willst, aber gegenüber Kollegen, Mentoren und Schulleiterinnen würde ich versuchen, weniger hilflos zu erscheinen.

    Aber der Stoffverteilungsplan wird ja auch auf irgendwas basieren müssen, oder nicht? Wenn kein schulinterner Lehrplan, dann ein zentral vorgegebener wie z.B. in Bayern?

    Genau, hier zentral vorgegeben.


    Unter 'schulintern' stelle ich mir eine gemeinsame Absprache vor, die auf die Schule angepasst ist aber auf zentralen Vorgaben beruht, oder wie macht ihr das?

    Ich finde es jetzt nicht verwerflich, als Berufsanfänger ein wenig Orientierung zu bekommen. Die Rede ist von einem Studenten, der noch wenig praktische Lehrerfahrung hat und vermutlich keine Fehler machen will. In anderen beruflichen Bereichen, und selbst wenn es nur um Aushilfe oder einen Ferienjob geht, heißt es ja auch nicht "Mach mal!", sondern es wird einem wenigstens gezeigt, welche Aufgaben man wann und wie zu erledigen hat.

    Nein, verwerflich ist es natürlich nicht, wenn jemand die Zeit hat, dem Vertretungslehrer unter die Arme zu greifen. Deswegen schrieb ich auch "freundlich fragen". Gibt's inhaltlich noch etwas anzumerken?

    Mich wundert etwas deine Erwartungshaltung an die Schulleitung, du trittst eine Vertretungsstelle an, das bedeutet, du wirst dafür bezahlt. Warum sollte sich automatisch jemand dafür verantwortlich fühlen, dir Material zu beschaffen? Wenn du Lehramt studierst, könnte es ja auch ein guter Einstieg sein, sich ohne beobachtet und bewertet zu werden schon mal ein bisschen auszuprobieren.


    Zu deiner Frage nach Inhalten: Suche im Internet nach den Lehrplänen deines Bundeslandes. Wenn du keine findest, suche die aus dem Bundesland Sachsen, da stehen ausführlichst alle Themen drin. Außerdem könntest du mit den Mathelehrkräften sprechen und freundlich fragen, ob es etwas gibt, das in der 7b oder 9a immer sinnvoll zu üben wäre.


    Zum Material: wenn du für jede Klassenstufe ein Thema gefunden hast, nimm dir Zeit und geh auf die Suche im Internet. Oder leihe dir Arbeitshefte in der Unibibliothek aus bzw. in Stadtbibliotheken findet man auch solche Lernhefte von der Schülerhilfe und Co. Daraus kannst du auch eigene, ähnliche Aufgaben entwickeln und diese an die Tafel schreiben und ins Heft übertragen lassen.

    Wie denkt Ihr darüber?

    Ich finde das Verhalten auf jeden Fall erwartbar, da konsequent. Die Schweiz hat sich immer rausgehalten und immer die Hand aufgehalten. Im Gegenzug haben auch immer alle, die Geld hatten, es dorthin getragen. Da sind die Skrupel offenbar nicht so groß. Vielleicht sind Schweizer Sanktionen gegen Russland dafür auch ein bisschen schmerzhafter als deutsche? Ich habe den Eindruck, dass Deutschland mit dem Gasstopp vor allem sich selbst weh tut. Russland hat noch Rohöl und China und Indien kein moralisches Problem mit dem Einkauf dort.


    Viel mehr als die Waffenlieferungsfrage, die nach meinem Empfinden bislang vor allem eine moralische (durchaus schmerzhafte aber eher theoretische als folgenschwere) war, stellt sich die Frage, warum Deutschland die letzten Jahre nicht den Ausbau erneuerbarer Energien vorangetrieben hat. Das betrifft sowohl die Abhängigkeit von Ländern, die auf Menschenrechte scheißen als auch den Klimawandel, der uns künftig wahrscheinlich noch wesentlich mehr bedrohen wird als ein Diktator mit Weltherrschaftsphantasien.

    ...macht es überhaut Sinn, nur einen Teil zu arbeiten oder sind die die Aufgaben, die neben dem unterricht anfallen einfach zu viel, sodass man keinen Effekt hat?

    Manche Schulen haben ein Teilzeitkonzept, so dass geregelt wurde, wie unteilbare Aufgaben eben doch geteilt werden (von sinnlosen Konferenzen z.B. nur das Protokoll lesen8)). Und der Effekt stellt sich für einige vor allem ein, wenn sie einen Tag unterrichtsfrei haben. Das kann durchaus ein Mehr an Lebensqualität bedeuten.


    ...Ganz ehrlich: mir ist mitlerweile meine Gesundheit wichtiger als mein Gehalt. und es wird auf keinen Fall besser! Eher schlimmer habe ich das Gefühl....die Schule entfernt sich von dem, was die Kinder brauchen.

    Ja, deine Gesundheit ist natürlich das Wichtigste. Die Frage ist, was du tun kannst, um diese zu erhalten? Wenn es eigentlich die Arbeitsbedingungen sind, die dich belasten, dann ist es fraglich, ob es dir durch Teilzeit besser geht. Diese ändern sich durch die Teilzeit ja nicht.


    Vielleicht wäre es eine Lösung, es mal ein Schuljahr lang auszuprobieren? Ich habe ein Jahr TZ gearbeitet und fand's für mich sinnlos. Aber unsere Bedingungen können natürlich sehr, sehr verschieden sein, trotz des formal gleichen Berufs.

    Entsprechend möchte ich gerne fragen, ob ihr solche Situationen kennt und ob ich eine Überlastungsanzeige stellen sollte?

    Hallo Wealth, der von dir beschriebene Fall ist der klassische Fall für eine Überlastungsanzeige und auf die muss die Schulleitung reagieren.


    Aber: aus Erfahrung kann ich dir sagen, dass du am Ende alleine mit der Situation klarkommen musst, wenn die Schulleitung sich persönlich angegriffen fühlt. Und so wie du deine Situation beschreibst, wird er oder sie nicht mit Freude, Verständnis oder auch nur Sachlichkeit reagieren. Die moralische Unterstützung im Internet nutzt dir nichts, wenn du im Schulalltag dann Repressalien erlebst. Ich sage damit ausdrücklich nicht, dass ich dir abrate, sondern dass du dich auf einen langen Kampf einstellen solltest und gut einschätzen, wie dick dein Fell in Konflikten ist.


    Im anderen Thread, auf den du verweist, schreibst du, dass deine Kolleg*innen dir in der Notenkonferenz in den Rücken gefallen sind. Wer dich unterstützt oder wer seinen Frust an dir auslässt, wenn du als einziger keine Doppelaufsichten mehr führen musst, wird sich bei Erfolg deiner Überlastungsanzeige entsprechend zeigen.


    Ich würde mir in jedem Falle Unterstützung suchen, vielleicht habt ihr im Personalrat jemanden sitzen, der sich ernsthaft für euch einsetzt. Oder du findest bei deiner Gewerkschaft einen Menschen, der dich berät und zu dem du gehen kannst, auch wenn sich deine Situation verschärfen sollte und du doch noch versetzt werden willst. Alles Gute dir!

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