Kommt wahrscheinlich auf die Schulart und Schulstufe drauf an. Ich mache meine 1. Lektion in einer neuen Klasse immer schon genau gleich: "Guten Morgen/Tag, schön, dass Sie bei uns sind. Wir machen die nächsten 3/4 Jahre lang Chemie/Physik zusammen. Darf ich ein Foto von Ihnen machen, so wie Sie gerade sitzen? Ich kann mir so die Namen besser merken. Dann sagen Sie mir bitte einmal der Reihe nach Ihren Namen, damit ich die alle korrekt aussprechen kann. Wer Sie so sind, das lerne ich dann schon noch und wer ich bin, das lernen Sie dann auch noch. Jetzt machen wir ein Experiment. Also Sie, nicht ich. Da ist das Material, da die Anleitung. Machen Sie einfach das was da steht und wie Sie so denken. Ich rette Sie schon, wenn ich sehe, dass Sie was grob falsch machen und ansonsten schaue ich mir jetzt einfach an, was Sie eben so machen."
Unsere Jugendlichen wechseln auf die Sek II das Schulhaus, die sind am 1. Schultag bei uns beeindruckt von allem was neu ist. Neue Klasse, neues Schulhaus, neue Lehrpersonen. Man sagt ihnen jetzt "Sie", sie sind jetzt gross. Die allermeisten benehmen sich sehr anständig, sie wollen es gut machen. Ganz selten ist mal einer dabei, der am 1. Tag schon mühsam wird. Aber genau das will ich eben sehen, drum sollen die direkt selber was machen. Ich unterrichte seit 12 Jahren und habe davor eben auch schon viel an der Uni tutoriert, Diplom- und Bachelorarbeiten betreut, etc. pp. Das vorne Hinstehen und halt irgendwas Daherschwätzen war für mich nicht neu und auch nicht besonders "aufregend". Wirklich neu war für mich am Anfang, dass 15jährige einfach wirklich immer noch Kinder sind und darauf angewiesen sind, dass man sie an der Hand nimmt, sie lobt und schimpft.
Wichtig ist, finde ich, dass man von der 1. Lektion an die Person im Raum ist, die sagt, wo's langgeht. Man sollte mit einem guten Plan, organisiert und strukturiert da reingehen. Auf jeden Fall freundlich sein und den jungen Menschen zeigen, dass man es gut mit ihnen meint. Zu ihnen hingehen, jedem mal ins Gesicht schauen und mit jedem mal sprechen.
Während der Ausbildung zur Lehrperson hatte ich schon auch 1 oder 2 Praktika, die nicht so grossartig waren. Mir haben die Erfahrungen aus dem "früheren Leben" an der Uni sehr geholfen, das alles nicht so tragisch zu nehmen. Das waren ja nicht meine Klassen, ist mir doch egal, ob die mich jetzt gut oder schlecht finden. An meiner ersten Schule hatte ich dann auch eine Klasse, die wirklich schwierig war. Die haben mich wohl genervt, aber ich hab auch alles Mögliche an denen ausprobiert um zu schauen, was eben so funktioniert. Ich bin nach nur 1 Jahr dort weg und habe die Klassen an Kolleginnen und Kollegen übergeben. Bei denen waren sie dann auch nicht anders als bei mir. Das hat mich irgendwie beruhigt, dass ich es halt schon nicht ganz verkehrt mache.