Sind sie das? Wer sagt denn, dass die berufliche Qualifikation egal ist, solange die Sprachkenntnisse stimmen? Sind bei der Frauenquote denn die fachlichen Qualifikationen irrelevant und nur das Geschlecht zählt?
Selbstverständlich sind sie das. Bourdieu und andere lassen grüßen. Jemand der klingt, als habe er in seinem Leben noch kein Buch fertig gelesen und mit Ach und Krach den Hauptschulabschluss geschafft, hat selbst als Muttersprachler in vielen Branchen Probleme, Ernst genommen zu werden.
Du fragst, ob denn die Sprachkenntnisse wichtiger seien als die berufliche Qualifikation, solange die Sprachkenntnisse stimmen.
Genau darauf will ich ja hinaus und das habe ich anscheinend nicht deutlich genug gemacht, wenn man dein zweites Zitat anschaut. Deswegen sprach ich von einem gewissen Sprachniveau, bis zu dem natürlich Unterschiede relevant sind. Wenn die Sprachkenntnisse stimmen, gibt es doch erst einmal keinen direkten Grund, jemanden mit noch besseren Sprachkenntnissen besser zu bezahlen. Oder soll der Mathelehrer mit den besseren Deutschkenntnissen nun besser bezahlt werden als der mit den etwas schlechteren? Darauf will ich hinaus.
Die Frauenquote ist eine Idee zur Lösung, die natürlich aufgrund des genannten Aspektes alles andere als optimal ist. Unter der Prämisse aber, dass man die Menschen mit der besten Qualifikation in der Stellen haben will, das aber bezüglich Frauen noch nicht so ist, scheint es mir eine relativ unbürokratische und praktische Lösung zu sein.
Ich glaube, die Gesellschaft ist sehr offen für andere, fairere Lösungsvorschläge für das Problem, falls du diese hast.
Wie werden Frauen denn "rechtlich" dazu verleitet, sich zuhause um die Kinder zu kümmern? Gesellschaftlich wird niemand mehr zu irgendetwas "verleitet". Da sind wir wieder bei der individuellen Verantwortung. Wenn mann und frau (oder frau und frau oder mann und mann) nicht klar kommunizieren, welche Vorstellungen sie vom Familienleben haben und sich als Familie auf ein Vorgehen einigen, dann kann da auch keine ominöse Gesellschaft etwas für.
Das Problem ist nicht eine generelle Erforschung historischer Diskriminierung von Frauen, Ausländern, Andersgläubigen etc. Auch nicht eine Erforschung der aktuellen Verhältnisse in den zahlreichen Ländern, die tatsächlich noch real existierende Geschlechterdiskriminierung haben.
Deutschland gehört aber nicht zu diesen Ländern. Was mich an der Art, in der Gender Studies hier betrieben werden stört, ist die Überdramatisierung nicht existenter Probleme, nur, um die eigene Existenz zu rechtfertigen. Wer im gleichen Atemzug mit der Frauendiskriminierung in Nigeria, Deutschland als weiteres Beispiel für radikale Frauendiskriminierung anführt, hat den Schuss nicht gehört und diskreditiert sich erfolgreich selbst.
So wie es für Nigeria einen Bericht zur Beseitigung von Diskriminierung von Frauen gibt, gibt es diesen auch für Deutschland. Ich hoffe, du nimmst diesen trotzdem ernst. Denn dort wird bspw. das Ehegattensplitting genannt, das auch ich im Kopf hatte bei meiner Formulierung, dass Frauen "rechtlich dazu 'verleitet' werden, sich um die Kinder zu kümmern".
In diesem kann man u.a. lesen:
Der Bundesregierung war und ist es ein wichtiges Anliegen, die partnerschaftliche Wahrnehmung von beruflichen und familiären Aufgaben zu fördern und zwar durch Zeit, Geld und Infrastruktur. Denn 60 % der Elternin Deutschland mit Kindern von ein bis drei Jahren wünschen sich ein Familienmodell, in dem beide Eltern ingleichem Umfang erwerbstätig sind und sich gemeinsam um Kinderbetreuung und Haushalt kümmern.Nur 14 % können dies derzeit verwirklichen.
[...]
Darüber hinaus empfiehlt er dem Vertragsstaat, die aktuellen gesetzlichen Vorschriften zur Besteuerung von Ehepaaren („Splitting“) sowie deren Auswirkungen auf das Fortbestehen stereotyper Erwartungen an verheiratete Frauen zu überprüfen.
Dann denke ich auch an den Punkt, dass meines Wissens nach bei unehelichen Kindern der Vater nicht automatisch der rechtliche Vater ist. Damit wird das Bild, dass im Zweifelsfall die Mutter verantwortlich ist, rechtlich reproduziert. Diese Vorstellung zeigt sich ja auch im Missverhältnis beim Sorgerecht für die Mutter oder den Vater. Das ist benachteiligend auch für Männer, finde ich. Als Vater hätte ich es als Mann vermutlich schwerer das Sorgerecht zu bekommen. Als unehelicher Vater muss ich mich überhaupt erst einmal bemühen, auch rechtlich als Vater anerkannt zu werden.
Weitere Punkte, welche in dem Bericht bezüglich der (rechtlichen) Benachteiligung der Frau mMn sehr interessant sind, sind 35 und 36 (Diskriminierung im Erwerbsleben), 37 und 38 (Gleichberechtigte Teilhabe von Frauen am Arbeitsmarkt) oder auch 39 und 40 (Lohngleichheit).
Du sprichst von individueller Verantwortung, ich sehe aber auch den Staat in der Verantwortung, diese Benachteiligungen nicht zu begünstigen, wo er es aktuell noch tut, und zu verhindern, wo er es noch nicht tut.