Zweifel nach 20 Jahren

  • Ein anderer Aspekt ist ebenso, dass natürlich viele Kompetenzen bewertet werden....auch Gruppen- und Partnerarbeiten benotet werden. So ist es oft so, dass Schüler und Schülerinnen (bitte macht doch keinen Treat auf, wenn nicht PC korrekte Worte genutzt werden, es geht um die dahinter stehende Sache und ich bin die Letzte, die Schüler und Schülerinnen als Objekte sieht - keine Wertedebatte, sondern Sachdebatte, um Veränderungen zu bewerkstelligen!), die dem Gym Niveau nicht entsprechen, sich auf eine knappe 4 retten können oder durch Ausgleich eh versetzt werden. Das ist ein Maleur, was dann vor allem in der Kursstufe ein Megaprproblem darstellt. Das ist aber nahezu wieder ein anderes Thema.

    Gibt es an euren Schulen durchdachte Förderkonzepte für Lernende mit Deutschschwierigkeiten? Wie wird das bewerkstelligt? Wer fördert diese im Unterricht mit einem eigenen guten Konzept? Was hat sich eurer Meinung als Förderung über den Unterricht hinaus - ohne große Mehrarbeit bewährt? Das sind vielleicht konkretere Fragen.

  • Damit sie keine Förderpläne schreiben müssen (siehe Beiträge von Maylin85).


    Wobei ich davon ausgehe, dass diese Förderpläne recht wenig damit zu tun haben, wie wir (uns) Förderpläne vorstellen und erstellen.

    Förderpläne haben an einem Gymnasium auch nichts zu suchen. Es lüpft mich jedes Mal, wie man hier so schön sagt, wenn ich das lese. Wir schauen mit unseren Jugendlichen an, wie sie sich besser organisieren können, ich sitze mit einzelnen auch zusammen und lasse mir zeigen was und wie sie im Fach lernen. Aber was willst du "fördern", wenn eins die intellektuellen Fähigkeiten nicht mitbringt? Die werden davon nicht schlauer. Die Prüfung bestehen die nur, wenn das Niveau runtergeht. Was wir halt nicht tun, deswegen haben wir nur 25 % Übertrittsquote. Die Promotionsbedingungen ans Gymnasium haben sich gerade auch verschärft, primär mit dem Ziel, über den ganzen Kanton direkt 4 - 5 Klassen weniger zu bilden. Der Kanton hat schlichtweg keine Lust mehr, teure Lehrpersonen zu bezahlen für Schüler*innen, die nach einem halben Jahr wieder gehen müssen oder noch viel schlimmer, nach 4 Jahren die Matura nicht bestehen.

  • Ich finde überhaupt nicht, dass die Kinder dümmer sind als vor 20 oder 30 Jahren, nur gingen da nur die Besten aufs Gymnasium. Es wäre vielleicht wichtig zu überlegen, was die Ziele von Gymnasien sind, bzw. ob sie diese erreichen können und wie.

    Wie gesagt, es tut mir schon ein bissel weh, wenn ich lese, dass das Niveau für alle abgesenkt wird.

  • Ich finde es schade. Als hier 2012 die verbindliche Grundschulempfehlung wegfiel und sehr viele Kinder in die Gymnasien strömten, hat das örtliche Gymnasium schon viel abgeschult. Bei meinem Sohn gab es nach Klasse 6 anstatt 5 Parallelklassen nur noch 4.

    Ist es. Wir "durften" seitens des Schulamts als sechszügige Schule immer so 6-8 Kinder abgeben (konkrete Zahlenrichtschnur kam im April, dann war die implizite Erwartungshaltung, es bitte möglichst passend zu machen). Mir fiel beim ersten Mal schwer zu glauben, dass das tatsächlich gelebte Praxis ist und alle mitziehen.

  • Gibt es an euren Schulen durchdachte Förderkonzepte für Lernende mit Deutschschwierigkeiten? Wie wird das bewerkstelligt? Wer fördert diese im Unterricht mit einem eigenen guten Konzept? Was hat sich eurer Meinung als Förderung über den Unterricht hinaus - ohne große Mehrarbeit bewährt? Das sind vielleicht konkretere Fragen.

    Das wäre einen eigenen Thread wert.

  • Steht da aber nicht.

    Das verstehe ich nicht.

    Förderlehrer gibt es meines Wissens nur in Bayern (nach deinen Beschreibungen gehe ich nicht davon aus, dass du dort arbeitest?) und auch dort nicht am Gymnasium.

    Ich meinte, dass ich diese Kinder gar nicht genug in meinem Unterricht fördern kann, sie eigentloch darüber hinaua gefördert werden müssten, am besten durch eine geeignete Förderung an der Schule.

  • Wir schauen mit unseren Jugendlichen an, wie sie sich besser organisieren können, ich sitze mit einzelnen auch zusammen und lasse mir zeigen was und wie sie im Fach lernen. Aber was willst du "fördern", wenn eins die intellektuellen Fähigkeiten nicht mitbringt? Die werden davon nicht schlauer.

    Förderpläne können genau das ausweisen, was du schreibst:

    Hilfe zur Selbsthilfe oder Organisation, Lernen lernen,


    Intellektuelle Fähigkeiten sind ein gutes Stück weit veränderbar oder auch durch bessere Herangehensweisen zu kompensieren. Dann werden die Schüler:innen durchaus schlauer.

    Schwierig bleibt es bei den unbelehrbaren, das können auch sehr intelligente Schüler:innen sein.

  • Ich meinte, dass ich diese Kinder gar nicht genug in meinem Unterricht fördern kann, sie eigentloch darüber hinaua gefördert werden müssten, am besten durch eine geeignete Förderung an der Schule.

    Ich finde das als Fachlehrerin, die vielleicht zweimal 2 Stunden pro Woche in die Klasse geht, auch sehr schwierig. Es müsste was anderes geben.

  • Was war es?

    war gerade aufgrund eines PCWegfalls wieder Kreidelehrer. Ich hatte das Gefühl mein Tempo stimmt für alle in der Klasse mehr:).

  • Ein Lehrer, der Fünfen gibt, muss sich rechtfertigen. An unserem Schülermaterial kann es ja nicht liegen, weil ja bereits Sokrates über die Jugend klagte. Hat man also etwa nicht genug geföööööööördert? Das könnte der Kollege immerhin noch gut an sich abprallen lassen. Doch Elterngespräche, Förderpläne und Nachprüfungen ziehen dunkel am Horizont auf und schwuppdiwupp gibt es noch eine pädagogische Vier.

  • Du kannst Schüler nicht nur isoliert im Deutschunterricht sprachlich fördern, sondern es muss in der Breite über alle Fächer gestreut sprachsensibler Unterricht stattfinden. Auch in Sachfächern sind fehlende Lese- bzw. Texterschließungskompetenzen und unzureichende Textproduktionsfähigkeiten ein erhebliches Problem, an dem man gezielt arbeiten muss. Dazu braucht es am besten eine entsprechende Fortbildung für das gesamte Kollegium, um Problembewusstsein zu schaffen und Strategien an die Hand zu geben.

  • Im gymnasialen Bildungslehrgang gilt es genauso wie an anderen Schulformen die Bildungsstandards des Landes zu vermitteln und zu beurteilen, ob die Schüler (m/w/d) die Kompetenzen erworben haben und beherrschen. Haben sie dies nicht, kann man dies auch nicht attestieren, da dies sonst nicht nur eine Täuschung gegenüber den Schülern wäre, sondern auch gegenüber dem Land, das von dir qua Funktion erwartet, dass du deinen Job gewissenhaft erfüllst.


    So nervig es ist, wenn die Hälfte der Klasse eine 5 erhält und Förderpläne geschrieben werden müssen (Hier muss im Übrigen ja auch nicht jedes Mal das Rad neu erfunden werden - einige Standardformulierung können bereits vorgeschrieben werden, die dann nur ggf. angepasst werden müssen.), es gehört einfach zum Jobprofil dazu. Wenn jedoch Schülern ungerechtfertigterweise ein "Bestanden" attestiert wird, und das über Jahre hinweg, dann ist die Anmerkung, die hier letztens im Forum aufkam, nämlich, dass man sich kaum über das Leistungsniveau von Abiturienten beschweren könne, wenn 8 bis 9 Jahre zuvor nicht/kaum interveniert wurde, leider schon irgendwo berechtigt.

  • Intellektuelle Fähigkeiten sind ein gutes Stück weit veränderbar oder auch durch bessere Herangehensweisen zu kompensieren. Dann werden die Schüler:innen durchaus schlauer.

    Schwierig bleibt es bei den unbelehrbaren, das können auch sehr intelligente Schüler:innen sein.

    Ne, sorry, da widerspreche ich dir nach 12 Jahren Unterricht am Gymnasium ganz massiv. Die Matura ist von 4.0 bis 6.0 bestanden, das ist ohnehin ein enormes Spektrum. Wer die 4.0 nicht schafft, der sucht sich einfach was anderes.

  • Förderpläne können genau das ausweisen, was du schreibst:

    Hilfe zur Selbsthilfe oder Organisation, Lernen lernen,


    Intellektuelle Fähigkeiten sind ein gutes Stück weit veränderbar oder auch durch bessere Herangehensweisen zu kompensieren. Dann werden die Schüler:innen durchaus schlauer.

    Schwierig bleibt es bei den unbelehrbaren, das können auch sehr intelligente Schüler:innen sein.

    Da hast Du vollkommen Recht. Es gibt noch eine ganze Reihe weitere Aspekte. Kinder mit körperlichen Einschränkungen, die aber kognitiv gute Leistungen bringen. Kinder mit Teilleistungsstörungen. Kinder mit ADHS oder Dyskalkulie. Was ist mit dem nächsten Albert Einstein, der zwar in Mathematik und Physik ein Genie ist aber auch Autist ist oder einfach ADHS hat? Bekommt der kein Förderplan?


    Ich habe mal eine spannende Doku gesehen. Ein Dorf, wo das Gymnasium extra Inklusionskinder aufgenommen hat. Die Gymnasiasten sollten lernen, dass es in der Welt normal ist. Und die Gymnasiallehrkraft haben sich tatsächlich auch um diese Kinder gekümmert. Ein Mehrwert für alle.

  • Ne, sorry, da widerspreche ich dir nach 12 Jahren Unterricht am Gymnasium ganz massiv. Die Matura ist von 4.0 bis 6.0 bestanden, das ist ohnehin ein enormes Spektrum. Wer die 4.0 nicht schafft, der sucht sich einfach was anderes.

    Du bestehst doch sonst auch darauf, dass persönliches Erleben Wissenschaft nicht ersetzt.


    Davon abgesehen habe ich nicht geschrieben, dass jede und jeder das Abitur schafft, aber die Vermittlung eines feststehenden Intelligenzbegriffes ist falsch und einschränkend, gerade für die Schüler:innen, denen dies vermittelt wurde und die das Lernen bis dahin nicht erlernt haben.

  • Dann steht im Förderplan, was die Schule anbietet,

    und dass auf externe Möglichkeiten verwiesen werden muss, wenn die Defizite so stark sind.

    Ich finde trotzdem, dass es Grenzen der Förderung gibt. Wäre es denn so schlimm, wenn nicht jeder, der das möchte, ein Abitur erreichen kann?

    Schade wäre es doch, wenn so ein Leben nur noch aus Schule, Förderungen (auch externen) und Versagensängsten besteht. Vielleicht haben manche Kinder und Jugendliche andere Talente, für die dann keine Zeit mehr bleibt.

  • Du bestehst doch sonst auch darauf, dass persönliches Erleben Wissenschaft nicht ersetzt

    Tut's ja auch nicht, lässt sich sämtlichen Bildungsberichten so entnehmen. Je höher die Übertrittsquote, desto höher der Dropout.

  • OT: In der Grundschule ist es so, dass ich Klassenarbeiten eine Woche vorher ankündigen muss. Tue ich. Dann setzt bei den meisten das Zuhausebüffeln ein. Mama und Papa werden zur zusätzlichen Lehrkraft. Es wird ausgedruckt an Übungen, was das Netz hergibt. Zumindest erzählen es einige Kinder. Die Kinder, bei denen sich niemand darum kümmert, sind m.E. im Nachteil. Diese Lernerei mit den Eltern hat sich nach meiner Beobachtung in den letzten Jahren vermehrt. Ist das im Gymnasium nicht mehr so?

    Mir wäre es viel lieber, ich könnte meine Klassenarbeiten einfach ohne Ankündigung schreiben. Dann wüsste ich besser, ob es MEIN Unterricht ist, der diese Ergebnisse liefert oder die Büffelei zu Hause.

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