"Abtreibungs-Diskussion" - (aus: Wahlen in Deutschland)

  • Winterblume : Adoptionen sollten niedrigschwelliger und gesellschaftlich weniger tabuisiert als jetzt möglich sein, sodass ein Kind, das in Konstellationen geboren wird, in der suboptimale Ausgangsparameter herrschen wie es bei deinem Vater der Fall war, dennoch die Möglichkeit hat, in einer Familie aufzuwachsen, in der es Liebe und Wärme erhält.

    Ja, eine Überarbeitung einiger Adoptionsregelungen fände ich auch gut und sinnvoll. Es gibt so viele Paare, die gerne adoptieren würden, wo es aber an bestimmten Vorgaben des Jugendamtes scheitert. (Natürlich ist eine genaue Prüfung adoptionswilliger Paare sehr wichtig und richtig zum Schutz des Kindes! Ich kenne aber auch Fälle, wo es bei Menschen nicht geklappt hat mit der Adoption, die sicher tolle, liebevolle Eltern geworden wären, aber wegen Punkten, die ich persönlich nicht nachvollziehbar fand, nicht zugelassen wurden).


    Mein Vater meinte auch mal zu mir, er hätte sich gewünscht, zur Adoption freigegeben worden zu sein. Wobei man ja selbst, wenn es so gekommen wäre, nicht weiß, ob er dann zwangsläufig eine schönere Kindheit gehabt hätte. Vermutlich in diesem Fall ja, aber nicht alle Adoptivkinder haben Glück mit ihrer Adoptivfamilie, wie CDL schon schrieb.


    Trotzdem bleibt ja der Punkt, dass vor einer möglichen Freigabe des Kindes zur Adoption immer noch die Schwangerschaft steht und nicht jede ungewollt schwangere Frau diese aufgrund der massiven körperlichen und seelischen Veränderungen durchmachen möchte. Und auch ein Kind, das man monatelang in sich getragen hat, hinterher wegzugeben, ist sicher auch nicht für jeden vorstellbar. Ich finde es sehr mutig, wenn Frauen diesen Weg gehen! Aber ich denke auch, man darf auf keinen Fall jemanden dazu zwingen und es muss auf jeden Fall eine freiwillige Entscheidung bleiben.

  • Für mich ist das ungeborene Kind die schwächste Form menschlichen Lebens. Mir ist wichtig, dass moderne Gesellschaften die Schwächsten schützen sollten.

    Magst du vielleicht auch irgendetwas sachliches beitragen oder bleibt es wagen bei Emotionalitäten.

  • Zur Einzigartigkeit des menschlichen Wesens:

    «Wissen – das einzige Gut, das sich vermehrt, wenn man es teilt.» (Marie von Ebner-Eschenbach)
    Meine Beiträge können Spuren von Ironie und Sarkasmus enthalten

  • ungeborenes Kind = schwächste Form des menschen Lebens = schützenswert. Da bin ich völlig emotionslos.

    Nein bist du nicht. Hol doch mal ein ungeborenes Kind aus dem Mutterleib nach 2 Monaten. Klappt nicht ganz so gut.


    Mit einer Strohmannlogikkette kommt man da auch nicht weiter.

  • Für mich ist das ungeborene Kind die schwächste Form menschlichen Lebens. Mir ist wichtig, dass moderne Gesellschaften die Schwächsten schützen sollten.

    :engel:


    Setze dich doch einfach mal mit den von dir geforderten Argumenten selbst auseinander.


    Nach Abschaffung von Rechten auf Schwangerschaftsabbrüchen gab es eine höhere Säuglingssterblichkeit. Die Familien durften dann einen toten Fötus gebären oder nach der Geburt mit dem Tod desselben auseinandersetzen:

    https://www.zdf.de/nachrichten…usa-baby-sterben-100.html


    In anderen Staaten, in denen es diese strengen Verbote gibt, sterben jährlich zehntausende Frauen, beim Versuch der illegalen Abtreibung:


    https://www.swr.de/swrkultur/w…issen-2021-09-15-100.html


    Aufklärung, Verhütungsmittel und Recht auf Schwangerschaftsabbrüche sind der richtige Weg für die Gesundheit von Frauen. "Die Verweigerung medizinischer Leistungen, einschließlich reproduktiver Gesundheitsdienste, die nur bestimmte Personen benötigen, ist eine Form der Diskriminierung....

    Allein die Wahrnehmung, dass ein Schwangerschaftsabbruch ungesetzlich oder unmoralisch ist, führt zur Stigmatisierung von Betroffenen – unter anderem durch Gesundheitspersonal, Familienmitglieder und die Justiz. Folglich riskieren Frauen und alle Personen, die einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen lassen, Diskriminierung und Belästigung. Einige Betroffene haben berichtet, dass sie vom Gesundheitspersonal misshandelt und beschämt wurden, wenn sie Schwangerschaftsabbrüche oder Nachsorge in Anspruch nahmen. " :


    https://www.amnesty.at/themen/…/#kriminalisierung-folgen


    In den USA ist es so weit, dass Ärzt*innen, die Schwangerschaftsabbrüche durchführen, härter bestraft werden als Sexualstraftäter. In entsprechenden Staaten ist eine junge Frau gestorben, die eine Blutvergiftung hatte und bei der sich die Ärzte nicht getraut haben sie zu behandeln, weil es dem Fötus hätte schaden können.


    Jetzt sind also beide tot, Mutter und Kind, weil die Ärzte u d Ärztinnen Angst haben müssen, im Gefängnis zu landen:


    https://www.zeit.de/gesundheit…h-usa-aerzte-donald-trump


    Und komme mir niemand mit christlichem Nächstenliebescheiß und heranwachsenden Kinde im Mutterleibe.


    Abtreibung ist und bleibt eine Gesundheitsmaßnahme, die ein Menschenrecht darstellt und nur in religiösen, rechten, von wissenschaftsfeindlichen "Meinungen" dominierten Regionen immer wieder infrage gestellt wird, so wie sie alles infrage stellen, was nicht in ihr kleines, hodenzentriertes Weltbild passt.

  • Also ein Fötus kann bereits 14 Tage nach der Empfängnis ein Vermögen von 1.000.000.000 erben, aber ein Mensch ist er euer Meinung nach nicht? Das passt nicht zusammen.

    Dieses Argument zählt nicht, denn man kann schon im Testament an ungeborene und nicht gezeugte eventuelle Nachkommen vererben.

  • Also ein Fötus kann bereits 14 Tage nach der Empfängnis ein Vermögen von 1.000.000.000 erben, aber ein Mensch ist er euer Meinung nach nicht?

    Erben können auch juristische Personen, also z. B. Vereine. Das hat mit der Belebheit wenig zu tun. Ein Lebensrecht vermag ich dadurch nicht erkennen. Die Erbfähigkeit ist außerdem keine inhärente Eigenschaft der Zellsammlung sondern ihr durch die Rechtslage zugewiesen. Das könnte die Gesetzgeberin auch anders regeln, ohne an den Eigenschaften der Zellsammlung etwas zu ändern.


    Die Implikation "viel Geld -> lebenswert" finde ich übrigens ekelhaft. Aber da wirst du sicher ganz etwas anderes gemeint haben, wie du uns gleich erklären wirst.


    Danke, dass du mich daran erinnerst.

    Schade, dass man dich daran erinnern muss. Aber nicht unerwartet. Aber du darfst trotzdem gerne zur Diskussion übergehen.

  • schwächste Form des menschen Lebens = schützenswert.

    Auch hier wirst du uns später erklären, dass du mit "gleich" gar keine Gleichheit meinst. Aber so, wie es dasteht, bedeutet das dann eben auch, das andere Formen den "menschen Lebens" nicht schützenswert wären. Und so sind dann auch die "Argumente" derer, die die Entscheidung der Frauen einschränken wollen, aufgebaut. Sie nehmen weder auf die Schwangere noch auch auf andere Personen Rücksicht. Jene sind vermeintlich "stärker" als die Zellsammlung und dürfen daher dieser untergeordnet werden.


    Danke für die Männlichkeit Ehrlichkeit.

    „Fakten haben keine Lobby.“


    (Sarah Bosetti)

    2 Mal editiert, zuletzt von O. Meier ()

  • Danke, dass du mich daran erinnerst.


    Also ein Fötus kann bereits 14 Tage nach der Empfängnis ein Vermögen von 1.000.000.000 erben, aber ein Mensch ist er euer Meinung nach nicht? Das passt nicht zusammen.

    Du kannst dein gesamtes Vermögen auch den Ärzten ohne Grenzen vererben, das wäre sinnvoller als diese Diskussion. Das ist übrigens eine Institution und kein Mensch. Du gibst wirklich grausam unwissenschaftlichen und pathetischen Blödsinn von dir.

  • Quittengelee

    Danke für das Zusammenstellen der Infos.


    Als jemand, der die Diskussionen um den §218 in den 80igern in der BRD intensiv miterlebt hat, bin ich verwundert und müde, dass das Thema jetzt von einer politischen Richtung gekapert wurde und sich wieder Rückschritte auftun.


    Bei den Diskussionen konnte ich früher jedes Argument irgendwie nachvollziehen. Vor allem hat man sich darum gestritten, ab welchem Zeitpunkt Leben beginnt. Da ging es um Definitionen. Man hat sich dann auf bestimmte Schwangerschaftswochen geeinigt.

    Die Kirche, vor allem die katholische, hat sich damit hervorgetan mit ihrer Definition wann Leben beginnt. Wenn man dann im Nachhinein sieht, wie vermutlich zur gleichen Zeit Missbrauchsfälle, wo man Leben von unschuldigen Kindern überhaupt nicht geschützt hat, vertuscht wurden, wirkt das Ganze doch sehr seltsam mit einer komischen Doppelmoral.


    Damals war die Diskussion bitter notwendig. Der Verhütungsschutz - wenn überhaupt - wurde hauptsächlich auf die Frauen abgewälzt, die sollten die Pille mit ihren Folgen nehmen, Kondome waren keine Selbstverständlichkeit. Die Frau war schuld, wenn sie schwanger wurde, wurde oft von der Familie (auch gut Situierten) nicht mehr unterstützt, sozusagen wegen der "Schande".

    Wie man das früher gesehen hat, ist auch an der Bezeichnung: "Haus für gefallene Mädchen" zu sehen, die junge Mütter mit ihren Kindern aufnahmen. Ich hatte zu einer jungen Mutter, die in einem solchen Haus Zuflucht fand, als Studentin Kontakt gehabt.


    Einige Frauen fühlten sich genötigt heimlich nach Holland zu fahren, die haben es sich nicht leicht gemacht. Männer haben sich oft aus der Verantwortung gestohlen. Einen solchen Fall kenne ich persönlich, viele aus dem Hörensagen. Andere Fälle bezüglich Abtreibungen in Deutschland und der entsprechenden Indikation kenne ich auch. Keiner hat es sich leicht gemacht.


    Ich finde unser Gesetz ein Fortschritt gegenüber dem, was einmal war.

    Und meine Quintessenz ist: Jede Frau sollte bei einer ungewollten Schwangerschaft selbst entscheiden können, nachdem sie durch neutrale Beratung alle Argumente erwogen hat, wie sie verfährt. Irgendwann sollte aber bezüglich des Schwangerschaftsmonats eine Grenze sein.

  • Welche Würde hat denn ein nicht lebensfähiger Organismus? Selbst existieren zu können wäre schonmal eine Grundvoraussetzung, sei es mit medizinischen Geräten. Ansonsten ist es nichts weiter als verhüteter Geschlechtsverkehr.

    Selbst existieren kann ein Menschenkind sehr lange nicht.

  • Für mich ist das ungeborene Kind die schwächste Form menschlichen Lebens. Mir ist wichtig, dass moderne Gesellschaften die Schwächsten schützen sollten.

    Mindestens bis zur 12. Schwangerschaftswoche ist es ein Zellhaufen, kein „menschliches Leben“, wohingegen die schwangere Frau bereits lebt und ein Mensch ist mit Rechten, wozu das Recht über den eigenen Körper ohne wenn und aber und ohne jedwede Rechtfertigungspflicht gehören MUSS. Auch nach der 12. Schwangerschaftswoche MUSS es in schweren Fällen (hier vor allem Schwangerschaften infolge von Vergewaltigung) möglich sein noch Abtreibungen vornehmen zu lassen, solange das „ungeborene Kind“, sprich der Fötus noch gar nicht eigenständig lebensfähig ist. Ob das dann bedeutet, dass man die aktuelle Maximalgrenze von 22 Wochen beibehält oder diese etwas nach vorne versetzt unterhalb der 20. Schwangerschaftswoche darf dann gerne von Medizinern ausdiskutiert werden basierend auf der medizinischen Entwicklung.


    Deine Argumentation läuft darauf hinaus, dass Frauen und Mädchen kein Recht mehr am eigenen Körper haben sobald sie schwanger sind- egal wie sie schwanger wurden, in welchem Alter, welche schweren gesundheitlichen Risiken die Schwangerschaft für die Frau (oder das Mädchen) mit sich bringt bis hin zum Tod, egal welche unheilbaren sozialen/ familiären/persönlichen Folgen eine ungewollte Schwangerschaft für die Frau/ das Mädchen hat. Das ist schlicht menschenverachtend!

    Das schwächste Glied in der Kette ist zuallererst die Schwangere selbst, die andernfalls zum reinen Brutkasten herabgewürdigt würde, nicht ein noch nicht lebensfähiger Embryo oder Fötus. Erst ab dem Zeitpunkt der eigenständigen Lebensfähigkeit, also um die 20. Woche herum, ist es angemessen auch über ein Lebensrecht des noch ungeborenen, aber eben bereits eigenständig lebensfähigen Fötus zu sprechen. Bis dahin ist ausschließlich das Recht der Schwangeren an ihrem eigenen Körper relevant.

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

  • Deine Argumentation läuft darauf hinaus, dass Frauen und Mädchen kein Recht mehr am eigenen Körper haben sobald sie schwanger sind- egal wie sie schwanger wurden, in welchem Alter, welche schweren gesundheitlichen Risiken die Schwangerschaft für die Frau (oder das Mädchen) mit sich bringt bis hin zum Tod, egal welche unheilbaren sozialen/ familiären/persönlichen Folgen eine ungewollte Schwangerschaft für die Frau/ das Mädchen hat.

    Sorry, aber das war nie meine Argumentation. Vielleicht warst du in einem anderen Forum unterwegs?

  • Du kannst dein gesamtes Vermögen auch den Ärzten ohne Grenzen vererben, das wäre sinnvoller als diese Diskussion. Das ist übrigens eine Institution und kein Mensch. Du gibst wirklich grausam unwissenschaftlichen und pathetischen Blödsinn von dir.

    Wenn das Gesetz dem ungeborenen Kind bereits in bestimmten Bereichen Rechte zugesteht, scheint es willkürlich, ihm gleichzeitig die Eigenschaft als Mensch abzusprechen – insbesondere, da die Erbfähigkeit unmittelbar aus der menschlichen Existenz des Kindes abgeleitet wird. Würde es sich bei einem Embryo lediglich um einen Zellhaufen oder bloße Biomasse handeln, wie es in manchen Debatten behauptet wird, gäbe es keinen Grund, ihn rechtlich zu schützen. Denn Dinge oder Sachen – zu denen Zellmaterial nach deutschem Recht gehört – genießen keinen eigenständigen Rechtsschutz, sondern sind ausschließlich Gegenstand von Eigentum oder Besitz. Die besondere Stellung des ungeborenen Kindes im Erbrecht und anderen Rechtsgebieten zeigt jedoch, dass das Gesetz den Fötus nicht als Sache behandelt, sondern als ein werdendes menschliches Leben, dem bereits vor der Geburt bestimmte Rechte zustehen.

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